Bernauer Straße | Die Geschichte einer Straße und seiner Umgebung
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Auf dieser Website finden Sie Informationen zur Geschichte der Bernauer Straße, der Ev. Versöhnungsgemeinde und den ehemaligen Sperranlagen der DDR zu Berlin (West).
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Ralf Gründer (Administrator), Rainer Just
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... als Hinweis auf die Geschichte 'der Mauer' in der Bernauer Straße, Berlin-Wedding.
Die Bernauer Straße war bezüglich der Geschichte 'der Mauer' einer der markantesten Orte. Die Häuser, die auf der Sektorengrenze standen, wurden 1961 zugemauert und nach und nach abgerissen. Die Bewohner waren gegen ihren Willen umgesiedelt worden. Die Erdgeschoßfassaden bildeten bis 1979 'die Mauer'. Bildlich ergab sich hier eine besondere Dramatik aus der Umwidmung der Fassaden mit ihren Türen und Fenstern zu einer undurchdringlichen Absperrung. Der ehemalige Wohn- und Lebensraum wurde zum Todesstreifen umfunktioniert.
Diese 'provisorische' Mauer wurde 1979 durch die Betonfertigteilmauer ersetzt. Die Fassaden wurden nur oberflächlich abgeräumt.
Die Versöhnungskirche, deren Gemeinde durch die Mauer geteilt wurde, blieb noch zwanzig Jahre im Mauerstreifen stehen, bis auch sie den Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR zum Opfer fiel: die Kirche wurde im Januar 1985 gesprengt.
Heute ist der Mauerstreifen an der Bernauer Straße eine Brachfläche. Die Grenzanlagen sind bis auf die „Gedenkstätte Berliner Mauer“ beseitigt. Am Rande des Bürgersteiges befinden sich auf Bodenniveau noch die Restbestände der ehemaligen Bebauung: Fußabtreter, Kellerlichtschächte, Bodeneinläufe, Radabweiser, Torschwellen, Fundamente.
Wir schlagen vor, den Grenzverlauf der 'Berliner Mauer' - im Bereich der Bernauer Straße (Gedenkstätte) - mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen, und diese Relikte im zukünftigen Gehweg sichtbar zu erhalten.
Zunächst werden die von uns für den Bürgersteig ausgewählten Reste in einer Eröffnungsaktion freigefegt. Die Eingänge der ehemaligen Versöhnungskirche mit ihren Radabweisern und Graniteingangsschwellen sind hierbei besonders freizulegen, um so akzentuiert auf den Standort der gesprengten Versöhnungskirche hinzuweisen.
Die Installation trägt den Namen: „Die Rückkehr der Möbel“. D.h., Tisch, Bett und Stuhl, von Anwohnern und ehemaligen Bewohnern der Bernauer Straße gestiftet, werden auf der jetztigen Brachfläche, orientiert an den Häuserresten, aufgestellt. Tisch, Bett und Stuhl als 'Zeichen' von Wohn- und Lebenskultur verweisen sowohl auf Vergangenes als auch Zukünftiges: vor 34 Jahren wurde an diesem Ort Wohn- und Lebenskultur zerstört, die Bewohner mußten ihre Möbel durch die Hintereingänge fortschaffen. Jetzt, nach dem Mauerfall, geht es darum, auf dem einstigen Todesstreifen wieder neue Lebensräume entstehen zu lassen.
Parallel zu der Installation soll im Gemeindehaus 'Bernauer 111' das Konzepte „Reste im Bürgersteig“ präsentiert werden. Die Galerie 'KunstRaum' zeigt zeitgleich die Ausstellung „Positionen der Schriftlichkeit“.
Evangelische Versöhnungsgemeinde
Bernauer Straße 111, D-13 355 Berlin, Tel. 463 60 34, FAX 464 47 55
Stand: Juli 1995
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Geschichtsdaten, ein kurzer Überblick
1991
20. April
Tagung der Versöhnungsgemeinde zu „Kirche in der Stadt des 21. Jahrhunderts“ Thema: Von der Bilanz zur gemeinsamen Aktion – „Häusernetz im Häusermeer“ in Berlin-Marzahn.
10. Mai
Straßenfest in der Bernauer / BI Aktionstag „Autofreier Innenstadtring Lebens(t)raum Straße“ In Zusammenarbeit mit BI „Bernauer Straße“.
12. August
Eröffnung der Ausstellung „Mauer-Bilder“ Fragmente der Berliner Mauer von Günter Ascherl im Foyer des Gemeindezentrums
Am 13. August 1991, dem 30. Jahrestag des Mauerbaus, wurde vom Berliner Senat (Beschluss Nr. 629/91) die „Errichtung einer Erinnerungs- und Gedenkstätte an die Mauer und ihre Opfer“ beschlossen. Dazu gehörte die „Rekonstruktion der Tiefenstaffelung und die Erhaltung der noch vorhandenen Teile“ der Mauer“.
Leitendes Motiv der Gedenkstätte wird die Rückbindung der historischen Ereignisse an den authentischen Ort.
Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Deutsche Historische Museum, lobte als Bauherrin einen architektonisch künstlerischen Ideenwettbewerb "Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße" aus.
Der Entwurf der Architekten Claudia und Sven Kohlhoff ging aus dem kontroversen Wettbewerb (ohne klare Sieger), als einer von drei zweiten Preisen, als Empfehlung zur Realisierung hervor. Dieser beschränkte sich auf einen Teilabschnitt von 70 Metern, des insgesamt über 210 Meter denkmalgeschützten Mauerstreifens, ergänzt um einen Aussichtsturm.
Andacht der Versöhnungskirchengemeinde für die Opfer der Mauer
Bernauer / Ecke Gartenstraße.
14.10.
BI „Bernauer Straße“ Podium Öffentlicher Personennahverkehr im Gesundbrunnen – Planung, Ideen, Vorschläge
Oktober Erzählcafe „Halt! Grenzgebiet“ - Ein „Ost“-Berliner berichtet von seinem Leben an der Mauer im Gemeindezentrum
1994
Februar: 3tägige Geschichtswerkstatt „100 Jahre Versöhnungskirche“ im Gemeindezentrum, Mai: Zukunftswerkstatt „Versöhnungsgemeinde“
28. August:
100 Jahre Versöhnungskirche, Festakt mit Bischof Huber im ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer.
Festschrift „Von der richtigen Seite betrachtet konnte man sie regelrecht schön finden - 100 Jahre Versöhnungskirche“
(Schriftenreihe Wedding, Band 7)
Die Versöhnungsgemeinde hatte die inhaltlichen Vorüberlegungen, Konzepte und Planungen, zum weiteren Umgang und der Nutzung ihres Grundstücks (der gesprengten Versöhnungskirche) fortgeführt.
Nach der Rückgabe ihres Kirchengrundstückes durch den Einigungsvertrag hatte sie sich dafür entschieden, auf den Fundamenten der alten Kirche mit einfachsten Mitteln, eine Kapelle zu errichten, einen modernen Bau, der den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft gleichermaßen gerecht wird und der zugleich - ohne Verlorenes zu rekonstruieren - die noch erhaltenen Spuren bewahrt. Der Bau sollte auch in ökologischer Hinsicht zeitgemäß sein - Ressourcen schonend und nachhaltig.
1995
Januar: 10.
Jahrestag der Sprengung der Versöhnungskirche
Mai: Eröffnung der Ausstellungsreihe „Die Bernauer Straße – gestern – heute – morgen“ im Gemeindehaus mit Filmreihen Podienund Stadtplanerischer Bestandsaufnahme.
Rückübertragung des Grundstücks der ehemaligen Kirche an die Versöhnungsgemeinde - zur Sakralnutzung.
2. Kunstaktion zur „Rückkehr des Lebens auf den ehemaligen Mauerstreifen“, Rückkehr der Möbel- Reste im Gehweg und Markierung der Reste der abgerissenen Häuser der Bernauer Str. (mit Benita Joswig, Boris Schwitalsky 11.-13.11.)
Rückkehr der Glocken zu Bußtag (22.11.). Rückkehr des Altars (Holzaufsatz) RÜCKFÜHRUNG des TURMKREUZES Versöhnungskirche
1996
März: GEMEINDEVERSAMMLUNG Gestaltungsplanung des Sakralgrundstückes Versöhnungskirche
Auswahl der Berliner Architekten Rudolf Reitermann und Peter Sassenroth aus einem internen Vorstellungsverfahren.
Ihre Aufgabe: Die geretteten Glocken und der Altar sollen am ursprünglichen Ort wieder in Gebrauch genommen werden.
Beschluss des Gemeindekirchenrates zur Gestaltungsplanung des Sakralgrundstückes Versöhnungskirche
April: 1. ARBEITSTREFFEN mit den Architekten Prof. Peter SASSENROTH und Rudolph REITERMANN, Thema: ökologische, städtebaulichen und denkmalschützerischen Aspekte des Neubaus.
1996
Juni: Einfriedung des Kirchengeländes an der Bernauer Strasse 4 und Kultivierung und Aussaat einer Wildblumenwiese auf dem Grundstück Bernauer Straße 4.
1997
Februar: Gemeindeversammlung und Vorstellung
BAUPLAN der „Kapelle der Versöhnung“
April: Teilabriss der unter Denkmalschutz stehenden Mauer in der Bernauer Strasse vor dem Sophienfriedhof, durch die Sophiengemeinde.
3-Teile Modell (Tgsp. 29.06.97) „Ensemble Mauergedenkstätte“ besteht aus Informationstsätte / Gedenkstätte Berliner Mauer / Kapelle der Versöhnung
13. August: Eröffnung der AUSSTELLUNG „Berlin-Szenarien für den Grenzstreifen“ von Dipl. Ing. Claudia KNAPPERT im Gemeindehaus
Presseerklärung von Bischof Dr. Wolfgang HUBER zur Gedenkstätte „Berliner Mauer“ und zum Dokumentationszentrum in der BERNAUER 111 und zur Kapelle der Versöhnung, Ort: Sophienfriedhof.
November: „Wo stand die Mauer?“ – ein FEATURE (Voraufführung)
Im Rahmen der Ausstellung des Dokumentationszentrums i. A.
In Zusammenarbeit mit SFB und ORB im Gemeindezentrum
09. November: BAUBEGINN der MAUERGEDENKSTÄTTE
FESTAKT der BAUSCHILDENTHÜLLUNG „Gedenkstätte Berliner Mauer“ durch Bischof Dr. Wolfgang HUBER, den Regierenden Bürgermeister Eberhard DIEPGEN und dem Kultursenator Peter RADUNSKI
PRESSEKONFERENZ, Konstituierung des ARBEITSKREISES
„Dokumentationszentrum Berliner Mauer“ im Gemeindezentrum
1998
1. März
Bei der GEMEINDEVERSAMMLUNG legen Architekten SASSENROTH/REITERMANN unbeeindruckt von Einwendungen des GKR der Gemeinde eine Planung vor, die einen BETON/GLASBAU für weit über 1,3 Mio DM vorsieht.
9. März: Prof. Dr.-Ing., Dr.-Ing. E.h. Klaus Dierks wird für die weitere Begleitung des Bauvorhabens gewonnen.
Vorstellung des Genehmigungs-Entwurfs für die Kapelle der Versöhnung.
April:
FAHRT zu LEHMBAUTEN in Berlin mit LEHMBAU-KONTOR Berlin
21. April
Eingang des „ALTERNATIVVORSCHLAGS APRIL 98“ der Architekten Reitermann/Sassenroth, mit der Materialwahl Lehm
Erstes GUIDE-TREFFEN Dokumentationszentrum in Zusammenarbeit mit der VHS Wedding im Gemeindehaus
19.Mai
GRÜNDUNG und ERSTE SITZUNG des FÖRDERVEREINS
„Gedenkstätte Berliner Mauer e.V.“, zur Baubegleitung des Bauvorhabens der Kapelle der Versöhnung, im Gemeindehaus (er besteht bis 28.12.2001)
Mai: GESPRÄCH über LEHMBAU-KONZEPT mit Herrn ZIEGERT und Prof. DIERKS
Juni: RUNDER TISCH „Kapelle der Versöhnung“: Moderation: Prof. DIERKS
24.Juni
PLANUNG und ANTRAG für Dokumentationszentrum Berliner Mauer mit Frau Dr. CAMPHAUSEN
30.Juni
VORSTELLUNG Machbarkeitsstudie „Lehmbauweise“ im Gemeindekirchenrat
08.07.
VORSTELLUNG des LEHMBAU-Konzepts „Kapelle der Versöhnung“ in der Öko AG des Kirchenkreises
13. August
FESTAKT Einweihung der GEDENKSTÄTTE „BERLINER MAUER“ in Anwesenheit von Bundesministerin Dr. A. MERKEL, Regierender Bürgermeister E. DIEPGEN, Probst Dr. LÜDTKE, Dr. EICH (Maueropfer)
ERÖFFNUNG der INTERIMSAUSTELLUNG im Dokumentationszentrum „Gedenkstätte Berliner Mauer“ im Gemeindhaus Bernauer Str. 111
02. Oktober
ERÖFFNUNG der AUSSTELLUNG „Berlin im Wandel – Versöhnung der Auftrag“ in der GALERIE der BERLINER VOLKSBANK im Volksbank-Center am Potsdamer Platz anlässlich der Eröffnung des DEBIS-Arreals.
05.11.
GRÜNDUNG des TRÄGERVEREINS
„Berliner Mauer – Gedenkstätte und Dokumentationszentrum e. V.“
Er hatte sich aus der BI Bernauer Str., quasi als Ausgliederung zum Spezialthema, als eingetragene Verein entwickelt, kontinuierlich wurde in Ihm an einer Konzeption für ein "Denkmal Berliner Mauer" gearbeitet.
1999
Im Vorfeld zur Realisierung ihres Bauvorhabens kommt die Versöhnungsgemeinde in Kontakt mit dem Verein OFFENE HÄUSER / OPEN HOUSES. Freiwillige von OFFENE HÄUSER aus vierzehn ost- und westeuropäischen Ländern unterstützten sie maßgeblich bei der Realisierung ihres Bauvorhabens.
23. Mai (Pfingsten) Grundsteinlegung für die Kapelle der Versöhnung, die Glocken läuten wieder.
25. August -18. Oktober
Bau des Stampflehmkörpers durch Martin Rauch, Vorarlberg Österreich mit Unterstützung von Lehm Klud/Mecklenburg, Lehmprojekt/Dresden, LuKa-Lehmbau/Leipzig, in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Denkmalpflege e.V. und Netzwerk Offene Häuser e.V. (freiwillige Helfer aus 11 Ländern West- und Osteuropas arbeiten mit).
KIRCHBAUWOCHEN 1999 mit OFFENE HÄUSER e.V.
International gemischte Gruppen von jeweils acht Freiwilligen haben von August - Oktober 1999 bei den Lehmstampfarbeiten geholfen.
".... Zeiten intensiver körperlicher Arbeit und ruhigere Phasen bestimmten den Arbeitsprozess. Es war für alle Beteiligten eine interessante, aber körperlich sehr anstrengende und verantwortliche Mitarbeit an einem symbolträchtigen Projekt."
9. November (10. Jahrestag des Mauer-Falls) Richtfest, der Kapelle der Versöhnung der historische Altar ist wieder aufgebaut
Aufnahme der Versöhnungsgemeinde in die Nagelkreuzgemeinschaft und Übergabe der Skulptur Reconciliation (Versöhnung) durch Vertreter der Kathedrale von Coventry, seit 4. Advent finden die Gottesdienste der Gemeinde in der Kapelle statt.
November Eröffnung der Ausstellung „Grenzblicke“ im Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde (Anlass 10. Jahrestag des Mauerfalls)
2000
Februar 1. Taufe in der Kapelle der Versöhnung,
18. Juni (Trinitatis) 1. Gemeindefest in der neuen Kapelle
PLANWORKSHOP 2000 mit OFFENE HÄUSER e.V.
„Städtebauliche Möglichkeiten in der Bernauer Strasse - zwischen Kapelle und Gedenkstätte“ für junge Architekten, Landschaftsplaner, Künstler und Studenten aus Europa, 14 Frauen und Männer aus Rumänien, Bulgarien, der Tschechischen Republik, Russland und Marokko sind der Einladung gefolgt.
9. November Einweihung der Kapelle, der Lehmaltar ist aufgestellt.
Der neue Ort, der mit der Kapelle entstanden ist, war in dieser Weise nicht bis ins letzte Detail planbar. Er ist nicht das Ergebnis eines bis in alle Einzelheiten gedachten, auf Wirkung zielenden Konzeptes, sondern gewachsener Prozeß vielfältiger Kommunikation, mit verschieden Kommunikationspartnern.
Der Neubau vereint in sich wegweisende Ansätze in Bezug auf Architektur, Ökologie, Erinnerungskultur und europäischer Verständigung. Gerade dies macht seine Anziehungskraft aus.
Das Bauwerk schreibt Architekturgeschichte, eine kaum mehr zu übersehende Anzahl von Publikationen im In- und Ausland und Berichte in TV-Stationen rund um den Globus geben davon Zeugnis.
Mit dem Bau der Kapelle war die Gedenkstätte über das reine Denkmal und die Erhaltung eines Mauerabschnitts hinausgewachsen. Gedenken hatte in der Bernauer Straße nun drei Orte und drei Zugänge.
„Das Denkmal stellt eine künstlerische Form der Auseinandersetzung mit der Mauer dar, die Kapelle bietet einen Ort der inneren Sammlung und Ruhe, dass Dokumentationszentrum schließlich recherchiert analysiert und vermittelt die Zeugnisse und Sachinformationen zur Geschichte der Mauer“. (Camphausen, Gabriele: Berliner Mauer, Mitteilung des Vereins für die Geschichte Berlins 972 1001 3, Seite 234)
2001
13. August die offizielle Gedenkfeier aus Anlass des 40. Jahrestages
des Baues der Berliner Mauer bezieht die Gedenkstätte 'Berliner Mauer' ein:
Ökumenischer Gottesdienst (Georg Kardinal Sterzinsky, Generalsuperintendent Martin Michael Passauer) in Anwesenheit des Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit;
Ausstellungseröffnung „Berlin, 13. August 1961“ (40. Jahrestag des Mauerbaus) im Dokumentationszentrum
Kranzniederlegung an der Gedenkstätte durch den Bundeskanzler Gerhard Schröder und den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit
2002/3
Im Dezember 2001 stellte der Haushaltsausschuss des Bundestages aus dem "Mauergrundstücksfond" Mittel für das Dokumentationszentrum im ehemaligen Gemeindehaus bereit, für eine fünfjährige Sicherung der inhaltlichen Arbeit, sowie für den behindertengerechten Umbau des Gebäudes und den Neubau eines Besucher-Aussichtsturms festgelegt wurden.
Durch den neu errichteten Turm wird den Besuchern der Blick auf die Denkmalsanlage "Gedenkstätte Berliner Mauer" und die historische Umgebung der Bernauer Straße ermöglicht werden.
Am 23. Juni 2003 erfolgte die feierliche Einweihung des Besucherturms und die Wiedereröffnung des Hauses.
28.05. bis zum 01.06.2003 Ökumenischer Kirchentag
Begegnung mit einer Kommunität auf Zeit; Zeugen des Glaubens und der Hoffnung - die Kapelle ist der „Ort der Ruhe“
Agape bei Wasser und Brot, Gesang, Gebet, Stille und Gespräche
Auf der Wiese neben Zelt und Kapelle „memento mori“ / Lebenszeichen - Grabzeichen
Am Hang neben der Kapelle "Zwischenräume"; eine temporäre Installation.
2005
Seit dem 13. August 2005 finden von Dienstag bis Freitag um 12.00 Uhr mittags in der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße in Berlin Andachten zum Gedenken an die Todesopfer der Berliner Mauer statt. Im Mittelpunkt jeder Andacht steht die Verlesung der Biografie eines Mauertoten.
Die Andachtenreihe wurde von der Versöhnungsgemeinde initiiert. Sie wird mitverantwortet von der „Stiftung Berliner Mauer“.
Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das "Bürgerbüro zur Aufarbeitung der SED-Diktatur e.V." unterstützen die Initiative.
Das Ziel der Andacht ist es, den Angehörigen Trost zu spenden, dem bürgerschaftlichen Erinnern am historischen Ort ein Forum zu geben und das Gedenken an die Toten der Berliner Mauer stärker in der Gesellschaft zu verankern.
2005
Erstes Freiwilligen-Projekt (Volunteer-Projekt) zur Betreuung der Kapelle mit OFFENE HÄUSER e.V. als Probelauf für weitere Einsätze dieser Art. Die Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen Betreuung, von bis heute weit über 750.000 Besuchern an der Kapelle, wird in den folgenden Jahren mit Unterstützung von OFFENE HÄUSER mit einer deutlichen Betonung des internationalen Aspekts und auf jugendlichen Besucher ausgerichtet, weiterentwickelt, dabei kommen sehr erfolgreich Freiwillige aus den außereuropäischen, „globalen Kontakten“ von OFFENE HÄUSER (z.B. Asien, Mexico, Japan) zum Einsatz.
„20 Jahre Sprengung der Versöhnungskirche, 15 Jahre Deutsche Einheit, 5 Jahre Einweihung der Kapelle der Versöhnung.
Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war ein Höhepunkt deutscher Geschichte. Freude, Dankbarkeit, Euphorie lagen in der Luft. Und jetzt - 15 Jahre danach? Die Einheit Deutschlands stellt sich als Aufgabe dar, die noch nicht bewältigt ist. Es ist gut, sich dieser Aufgabe zu stellen, um Verantwortung für unser Land wahrzunehmen.
„Deutschland - einig Vaterland!?“
Seminar zur Situation im wieder vereinigten Deutschland
vom 30. September - 3. Oktober.
Wir feierten zusammen die...la fête pour Dieu avec l'Europe !
Mit den Ökumenischen Partnern der Gemeinschaft Chemin Neuf.
Die Evangelische Versöhnungsgemeinde hatte im Herbst 2005 mit den Boden-Vorbereitungen für ein Roggenfeld begonnen.
PROJEKT Roggenfeld im Todesstreifen der Berliner Mauer, Kunstprojekt der Evangelischen Versöhnungsgemeinde + denkwerk / Michael Spengler
in Kooperation mit: Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Das Feld des wachsenden, des reifenden und des wogenden Korns, das Bild der „Kapelle im Kornfeld“ läßt vielen Assoziationen Raum. Die Josephsgeschichte mit den "sieben fetten und den sieben mageren Jahren", die biblischen Gleichnisse vom "Vierfachen Acker", der „Selbstwachsenden Saat“, vom „Unkraut unter dem Weizen“, vom „Korn das nicht lebendig wird, wenn es nicht stirbt“. Es stellt ein Gegen-Bild dar zu der Kirche im Todesstreifen.
Das Bild eines wogenden Kornfeldes schafft Bezüge, die im Umfeld der Großstadt um so stärker werden, wo den Menschen oft jeder Bezug zum Rhythmus der Jahreszeiten und zum Lauf des Jahresfeste verlorengegangen ist. So versinnbildlicht ein Getreidefeld, die vom Menschen gestaltete Natur. Der Mensch erlebt den Prozess von Säen, Wachsen und Vergehen innerhalb eines Jahres und begleitet ihn in Ritualen. Er feiert ein Erntedankfest.
Am 03. Oktober Uraufführung „Vor-Worte zum 3. Oktober 2005“, geschrieben von 16 Personen des öffentlichen Lebens, in einer Einspielung von Joachim Gies arrangiert.
2006
Motto Deutschland - Land der Ideen wurden auf Anregung des Bundespräsidenten Horst Köhler 365 Orte in Deutschland ausgewählt, unser Land in der Welt zu präsentieren - wir waren dabei.
Am 20. Juni tagte der Senat von Berliner unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit in der Bernauer Straße 111.
Beschluss: das Gesamtkonzept zur Erinnerung an die Berliner Mauer.
Roggenfeld im Todesstreifen der Berliner Mauer
vor der Kapelle der Versöhnung, auf dem ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer, wuchs im vergangenen Jahr Getreide (Roggen)
Im Sommer wurde geerntet: Drei Zentner!
Aus diesem Roggen konnten wir unser Erntedankbrot backen, auch unsere Abendmahlsoblaten sind aus dem Mehl aus diesem Getreide.
Wir danken auch der Bäckerei Lew für die „Freiheitsbrote“ zum 9. November und den Karmeliterinnen des Karmels Maria in der Not, die unsere Roggenoblaten buken.
Im August hatten wir internationalen Besuch: aus Frankreich, Russland, Spanien, Mexiko und der Ukraine, Sieben junge Erwachsene waren im Rahmen von Open Housese. V. zu Gast. Sie wirkten am 13. August, dem Jahrestag des Mauerbaus, bei einer Musikperformance "Klang der Mauer" rund um die Gedenkstätte Berliner Mauer mit.
August
Haeung Chai aus Südkorea als Ökumenischer Freiwilliger in unserer Gemeinde. Unter anderem schreibt er an einer Studie über die Zusammenarbeit in einem geteilten Land.
Ende Oktober 9. Hospiztagung, zusammen mit der Christliche Bestattungsgesellschaft, Charon Bestattungen und denkwerk - Michael Spengler Projekt: Wandelgang - Die Zeit "Vom prallen Leben bis zum Sterbebett" in einer begleiteten Führung entlang der Stationen meditiert. Beeindruckende Gespräche in der Kapelle schlossen sich an.
Ende November, am Wochenende zum Totensonntag, ein weiterer Wandelgang zum Thema „Vom Sterbebett zum Grab - Stationen auf dem letzten Weg“.
2007
Im März beendete Susanne Falcke ihr Vikariat bei uns mit dem zweiten Theologisches Examen.
Es begann das Vikariat von Dr. Petra Bahr , die als Kulturbeauftragte der EKD ihr Vikariat Berufsbegleitend bei uns leistet.
Zwei Tagungen zum Thema Maueropfer im Februar „Gedenken als Selbstfindung – Formen des öffentlichen Erinnerns an Opfer politischer Gewalt“, gemeinsam mit der Evangelische Akademie Berlin und im März Klausurtagung mit der Gedenkstätte „Opfergedenken“.
03.-10. Juni Kreiskirchenrat Wedding visitiert unsere Gemeinde. Leitfrage: Wie soll es mit der kleiner gewordenen Versöhnungsgemeinde weitergehen? Der Bericht der Visitationskommission beschreibt die Gemeinde als zukunftsträchtige Profilgemeinde, die ihr Thema gefunden hat.
Auftakt für das 125-jährige Jubiläum der „Schrippenkirche“
30. August wurde die aus Sandstein geschaffene „Schrippe“ (Bildhauer Michael Spengler) von über 40 Helfern von der Kapelle der Versöhnung zur „Schrippenkirche“ in der Ackerstraße gezogen:
Am 1. September war Tag der Offenen Tür, am 2. September der Festgottesdienst in unserer Kapelle. Eine Festschrift und eine Filmdokumentation über die Entstehung und den Wandel der Schrippenkirche sind erscheinen.
Am 1. Oktober, dem Berliner Verfassungstag wurde Pfr. Manfred Fischer vom Regierenden Bürgermeister mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet, damit wird auch das langjährige Engagement der Gemeinde für die Mauererinnerung und das Opfergedenken gewürdigt.
Die Kreissynode Wedding beschliesst im Oktober: Der Kirchenkreis Wedding fusioniert Pfingsten 2008 mit den Kirchenkreisen Pankow und Weißensee.
Im Vorfeld des 13. August wissenschaftliche Grabungen des Archäologiebüros Dressler an der Kapelle, Ergebnis: Im Boden liegen wertvolle Spuren der früheren Bebauung. Die Fundamente des Turms, der Vorplatz und die Einfahrt der gesprengten Versöhnungskirche wurden freigelegt und vermessen.
Im September haben weitere Volunteers Texte zur Kapelle der Versöhnung für die Besucherbetreuung übersetzt. In einem dritten Projekt mit „Open Houses“ hat eine Freiwillige drei Monate bei der Betreuung der Kapelle mitgeholfen. (Utako Takizawa, wird uns mit ihrem freundlichen Wesen in Erinnerung bleiben).
Am 9. November besuchte der Minister für Wiedervereinigung die Feierstunde in der Kapelle der Versöhnung, Vertiefung der Kontakte zu Korea.
Die Koreanische Botschaft in Berlin unterstützt eine Künstleraktion zur Gestaltung der ehem. Werbeflächen vor der Kapelle und an der Ecke Ackerstraße.
Dezember 2007 Preisgericht „Offener Realisierungswettbewerb für Hochbau, Freiraum und Ausstellung „Erweiterung Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße“
Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin zur Betreuung des Roggenfeldes wurde fortgesetzt.
2008
1. Nach der erfolgreichen Visitation der Gemeinde im Jahr 2007, in der die Eigenständigkeit der Versöhnungsgemeinde bestätigt wurde, hat sich eine Arbeitsgruppe „Werkstatt Versöhnung“ gebildet für Finanzen und Programmfragen. Wir danken dem Generalsuperintendent Martin Michael Passauer, der die Arbeitsgruppe begleitet hat und allen Mitgliedern.
2. Nach gründlicher Vorbereitung hat sich der Kirchenkreis Wedding am 12. April 2008 mit dem Kirchenkreis Pankow und dem Kirchenkreis Weißensee zum neuen Kirchenkreis Berlin Nord-Ost (ekbeno HYPERLINK "http://www.ekbeno.de" www.ekbeno.de) verbunden. Der neue Kirchenkreis hat zusammen 73.500 Gemeindemitglieder, die in den Bezirken Pankow, Mitte, Lichtenberg und Marzahn und in den Landkreisen Oberhavel und Barnim wohnen. Zum neuen Kirchenkreis gehören nach derzeitigem Stand 46 Kirchengemeinden, davon 18 Gemeinden in Dörfern außerhalb der Stadtgrenze Berlins. Die kleinste hat 34 Mitglieder und liegt im Kirchenkreis Weißensee, die größte hat knapp 7000 Mitglieder und liegt im Kirchenkreis Wedding. Als neuer Superintendent wurde unser Weddinger, zwischenzeitlich auch Pankower, Superintendent Martin Kirchner gewählt. Pfr. Fischer hat im Fusion-Prozess die Projektgruppe „Finanzen“ geleitet und wurde zum Vorsitzenden des neuen Haushaltsausschusses gewählt.
3. Nach der Wettbewerbsentscheidung über die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer im Dezember 2007 wurden die Bauplanungsunterlagen für die Einrichtung des Info-Pavillons (Bernauer Ecke Gartenstr.) und für die Freiraumgestaltung erarbeitet.
Der erste Spatenstich war am 20. November 2008.
4. Die Stiftung Berliner Mauer ist gegründet. Am 7. November 2008 hat der Stiftungsrat aus seiner konstituierenden Sitzung Herrn Dr. Klausmaier einstimmig zum Direktor gewählt. Pfr. Fischer vom Trägerverein übergibt zum Januar 2009 die Geschäftsführung an den Direktor. Im Förderverein bleibt für den Vorstand noch genug zu tun.
5. Die Schrippenkirche hat ihre Arbeitsbereiche verändert. Nachdem zunehmend Belegungsprobleme im Altenheim auftraten - kleine Häuser haben es schwer in der Konkurrenz - hat der Verein das Altenheim geschlossen. Das Behindertenheim wird weitergeführt und durch ein Integrationshotel ergänzt, in dem Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen werden. Erster Bauabschnitt ist ein Bistro direkt neben dem Aussichtsturm des Dokumentationszentrums.
7. Im Oktober 2008 hat der 500.000ste Besucher die Kapelle der Versöhnung aufgesucht. Und rund um die Kapelle wird auch im nächsten Jahr wieder das Roggenfeld wachsen und hoffentlich gedeihen.
2008 Vorbereitung der Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses, der Veranstaltungsreihen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, zur Stiftungsgründung
2009
2009 zahlreiche Veranstaltungen zum 20. Jahrestag des Mauerbaus insbes. zum 9. November und Begleitung der Realisierung 1. Bauabschnitt der Erweiterung
Der Info-Pavillon soll November 2009 stehen.
war für uns das Jahr der großen Feste und neuen Kooperationen. Einige Beispiele:
- 17. Juni, Gespräch mit Liedervortrag: „Wenn sich der Untergrund bewegt - Lieder zwischen Liebe und Revolution“, mit dem Liedermacher und Psychotherapeuten Dr. Karl-Heinz Bomberg.
- 2. Juli, Jugendtheater auf dem Kapellenvorplatz: „5 vor 12: die Mauer erinnert“, mit the working party,
Grundschule am Arkona Platz und Gustav Falke Grundschule.
- 4. - 5. Juli, Tanz Performance: „Fruchtstücke“, mit MobileDance.
- 14. - 15. August, Open Air Kino mit Podium: „Zwischen uns die Mauer - Kino auf dem Todesstreifen“,
mit Progress Film-Verleih.
- 3. - 5. September, Theater in der Kapelle: „Zwei Ansichten“ (Uwe Johnson) und „Herztier“ (Herta Müller),
mit dem Maxim Gorki Theater.
- 25. September, Cello-Konzert mit Xavier Phillips: „Gedenken an M.L. Rostropovitsch“, mit Institude Francaise de Berlin.
- 11. September - 13. Dezember, Ausstellung im Wandelgang: „Aggregatzustände“, mit Barbara Boehringer.
- 29. September, Lesung in der Kapelle: „Atemschaukel“, mit der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.
- Und wie alljährlich die Andachten am 13. August und 9. November in der Kapelle im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und vieler Ehrengästen aus Land und Bund.
Der 9. November hat für uns in diesem Jahr seine herausragende Würdigung erfahren durch die Ansprache von Prof. Ernst Cramer in der Kapelle, der als Berliner und Jude aus eigener Erfahrung des 9. November 1938 und des 9. November 1989 gedachte. Etwa 1000 überwiegend jugendliche internationale Gäste hatten sich dazu auf dem Kapellenvorplatz versammelt.
- Immer wieder freuen wir uns auch über hohen Besuch in unserer Kapelle. Am 29. September wurde dort bei einem Erntedank-Gottesdienst Bundespräsident Horst Köhler die Erntekrone 2009 vom Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner übergeben.
Ausblick
- Die Kooperation mit Herrn Prof. Dr. Frank Ellmer von der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin hat sich weiter entwickelt. Es liegt nun eine Semesterarbeit zum Roggenfeld vor und in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. Jutta Zeitz wurde ein Bodenprofil (im Rahmen von Boden des Jahres 2010 „Stadtböden“) gewonnen, das wir 2010 im Wandelgang der Kapelle präsentieren.
- Das Gelände zwischen Ackerstrasse und Strelitzer Strasse wird 2010 im Zuge der Erweiterung der Gedenkstätte gestaltet.
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- Written by: Ralf Gerhard Gründer
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Kamera: © Rainer Just, ev. Versöhnungsgemeinde (16.10.1995)
Tipp: ...
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Das Archiv der Versöhnungsgemeinde an der Bernauer Straße
Meine Name ist Rainer Just, ich war von November 1975 – Oktober 2018 Mitarbeiter der Evangelischen Versöhnungsgemeinde in Berlin Wedding, bin heute im Ruhestand. Von November 1975 bis März 1980 hatte ich nur nebenberuflich mit der Gemeinde zu tun und wechselte dann zum 1. März 1980 in ein Angestellten Verhältnis der Gemeinde als Öffentlichkeitsarbeiter.
In den folgenden Jahren dehnte sich diese Arbeit durch die äußeren Gegebenheiten des Arbeitsplatzes auch in den Bereich von Kunst und Kulturarbeit aus. Das Ganze war Anfang der 80er ein sehr exponiertes und auch beachtetes Modellprojekt innerhalb der EKD, Öffentlichkeitsarbeit in einer Kirchengemeinde anzusiedeln und nicht in den Strukturen von Kirchenkreis und Landeskirche, das gab es sonst gar nicht!
Aus diesem Grund pflegten wir eine enge Kooperation mit dem Fachbereich Werbung und Publik Relations im gep (Gemeinschaftwerk Evangelischer Publizistik) in Frankfurt/M.
Meine Aufgabe wurde später zusammengefasst in den Begriffen
NEUE FORM Bernauer 111 / KUNST, KULTUR, ÖFFENTLICHKEIT
So war in der geteilten Stadt Berlin und dieser geteilten Gemeinde, mit dem Namen Versöhnungsgemeinde, den sie 1895 durch einen Stiftungsakt der letzten Deutschen Kaiserin Auguste Viktoria bekommen hatte, sie hatte der neu gegründeten Gemeinde in der Berliner Innenstadt die Kirche gespendet und ihr den Namen gegeben, (nicht in weiser Voraussicht, sondern weil die vielfältigen Bereiche unter dem Wort „Versöhnung“ schon damals eine wichtige politische Rolle spielten) im armen, proletarisch geprägten Wedding eine große Kirche gekommen.
Seit 1961 und dem Mauerbau in Berlin war hier an Bernauer Straße der exponierte Ort des Wahnsinns der Deutschen Geschichte, und auch ein Ort des tragischen Todes von Menschen entstanden. Dieser historische Hintergrund wurde in den Jahren nach dem Mauerbau zur Grundlage für eine sehr spannende und wechselvolle Geschichte meiner dortigen Arbeit.
Am Anfang war diese neue Arbeitsstelle in der Gemeinde auch inhaltliche stark von gemeindlichen Aktivitäten, Anlässen und Ereignissen bestimmt. Ab 1982 gab es dann eine intensive Hinwendung zur Geschichte des Stadtteils und der Geschichte der Gemeinde. Ausstellungen, medienwirksame Auftritte in Rundfunk, Fernsehen und Presse, im kulturellen Umfeld der Gemeinde wurden mein Alltag.
Ausgelöst durch die Tatsache eines mehr oder weniger totalen Gemeindemitglieder Wechsels, bedingt durch den Umstand, dass die Versöhnungsgemeinde nun im „größten innerstädtischen Sanierungsgebiet Westeuropas“ lag und hier ein ganzer Stadtteil abgerissen, neu erbaut und mit neuen Bewohnern besiedelt wurde, das ganze zog sich über beinahe 25 Jahre, auch einhergehend mit der Gefahr eines möglichen Identitäts- und Geschichtsverlustes für diese Gegend und die Kirchengemeinde.
Zugleich lebte auf der staatlichen Seite Ost-Berlins hinter den „Kulissen“, seit den „Maubau-Jahren“ eine schwelende Diskussion auf, um einen Abriss der, durch die Geschichte des Ortes, hinter die Mauer und in den Todesstreifen der Berliner Mauer geratenen historischen Versöhnungskirche.
Maßgeblich von Seiten der DDR-Regierung betrieben, um freies Schussfeld im Todesstreifen zu bekommen und die Symbol-Wirkung dieser Kirche einzuschränken, die in der Westpresse mit „der Zeigefinger Gottes“ betitelt und natürlich mit diesem „Zusatz versehen“ von den Kommunisten nicht gemocht oder dieser Titel geduldet werden konnte.
Die im Januar 1985 erfolgende Sprengung der Kirche macht den Ort endgültig und auf tragische Weise bekannt, die Bilder gingen um die Welt und wurden, wie wir dann Jahre später feststellen konnten, eines der kollektiven Bilder des geteilten Berlins in der Welt.
„Sammel- und Dokumentationsarbeit“, ein sehr umfangreiches Multimediales Archiv der Geschichte des Ortes, der Gemeinde und der Berliner Mauer entstanden geradezu zwangsläufig und erstreckten sich in alle medialen Formen, waren aber immer auch für mich nur ein notwendiges Reservoir für die eigene Arbeit und eine von vielen „Nebensächlichkeiten“, für deren Systematisierung, Erfassung und Pflege kaum Zeit war. In den Jahren nach dem Fall der Mauer 1989, und der Entstehung einer ersten Idee, kam im Frühjahr 1990, hier an der Bernauer Straße, die dann Jahre währende Auseinandersetzung darum einen Gedenkort für die Opfer der Mauer in Berlin einzurichten, auch um einen greifbaren Ort zum Begreifen dieser verstörenden Geschichte zubekommen, aus der Versöhnungsgemeinde und ihrem dort seit 1975 tätigen Pfarrer, dem leider viel zu früh, nach seiner Pensionierung 2013, verstorbenen Manfred Fischer, in die Welt.
Seinem und vielfältigem bürgerschaftlichem Engagement, auch des GKRs und der gesamten Gemeinde, das in der ersten Zeit einen wahren „Shitstorm“, wie man dazu heute sagt, ertragen musste, und ab 2006 folgende zur Gedenkstätte Berliner Mauer führte, 2009 eingeweiht, die mit der Versöhnungsgemeinde durch die über den Grundmauern der gesprengten Kirche 2000 neu errichtete Kapelle der Versöhnung, durch ihren Architekturgeschichte schreibenden Bau aus gestampftem Lehm, seitdem eng verknüpft mit der Stiftung Berliner Mauer, heute an diesem Ort jährlich Millionen Menschen zusammenkommen lässt, und zu den herausragenden touristischen Orten der Stadt Berlin gehört.
Das Archiv der Versöhnungsgemeinde hatte sich im Lauf der Jahre zu einem riesigen, wertvollen Fundus der Geschichte des Stadtteils und der Geschichte und Dokumentation der Gedenkstätten Entstehung entwickelt.
Das Archiv der Versöhnungsgemeinde der Evangelischen Landeskirche Berlin Brandenburg schlesische Oberlausitz wurde 2004 dem Evangelischen Landeskirchlichen Archiv ELAB in einem Teil seines Bestandes, von 1892 - 2004 schon zur Erfassung übergeben. ( ca. 316 eingetragene Verzeichniseinheiten in 60 Kartons) Und im Archivbericht Beiheft Nr. 145 beschrieben. Dabei wurden damals wichtige Dinge des laufenden Geschäfts und seine Aktenbestände absichtlich ausgenommen, auch große Bestände von Fotos, Dias, Tonbändern und ca. 280 Filme, tausende Presseberichte zur Entwicklung des Projektes enthielten. All das war auch mehr eine Sammlung, deren Bestände weder erfasst noch beschriftet waren!
So fassten der Gemeindekirchenrat auf meine dringende Bitte, 2016 den notwendigen Beschluss zusammen mit:
Dr. Krogel, Landeskirchliches Archiv, Dr. Wichmann, Archivar der Stiftung Berliner Mauer, und dem Geschäftsführenden Pfarrer Thomas Jeutner, diesen gesamten Bestand zu Digitalisierung, zu erfassen und dann in realer Form die Akten und alle Digitalisate dem Evangelischen Landeskirchenlichen Archiv am Bethaniendamm zu übergeben und der Stiftung Berliner Mauer zugänglich zu machen und für weitere wissenschaftliche Bearbeitung zur Verfügung zu haben (ab März 2020 auch im Internet).
Da dieses Vorhaben in seiner finanziellen Dimension von keinem der Beteiligten allein zu stemmen war, stellten wir einen Antrag auf Unterstützung an die Stiftung Aufarbeitung.
Der wurde am 05.07. 2017 in Höhe von 70.000,00 Euro bewilligt.
Davon standen im Haushaltsjahr 2017 30.000.00 Euro und im Haushaltsjahr 2018 40.000,00 Euro zur Verfügung
Archivierungsprojekt
„Digitalisierung, Erschließung und öffentliche Nutzung des Versöhnungsarchivs der Bernauer Straße“
Ausgangsposition
Die Projektplanung für die Erschließung des Versöhnungsarchivs umfasst zwei Hauptphasen, die nach der Bewilligung der Fehlbedarfsförderung begannen. Die Projektphasen wurden gemäß des Projektantrags und der geringeren Fördersumme neu angepasst. Dabei wurden auch zwei Hauptstränge der Erschließung beschlossen, nämlich die des Schriftguts und aller anderen Medien- und Objektgattungen. Während für das Schriftgut eine archivalische Erschließung gemäß den Vorgaben des Evangelischen Landeskirchenarchivs (ELAB) festgelegt wurde, war für die Medien- und Objekte klar, dass hier nur eine museologische Einzelerschließung der Bestände und Digitalisate sinnvoll sein konnte, um die sehr heterogenen Film-, Video-, Audio- und Fotoaufnahmen aus mehr als sieben Jahrzehnten mit ihren ganz unterschiedlichen Techniken und Themen für eine breite Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Daher wurden hier die museologischen Objekterschließungsregeln der Stiftung Berliner Mauer (SBM) angewandt, die wiederum den internationalen Standards von Spectrum 3.0 und dem Deutschen Museumsbund folgen.
Damit war jedoch klar, dass die Erschließung parallel in zwei unterschiedlichen Content-Management-Systemen erfolgen und dann zusammengeführt werden musste. Da der Bestand komplett im Eigentum des ELAB steht, wurde dem Verzeichnis- und Signatur-System des ELAB und dessen System Scope die Priorität eingeräumt. Hingegen erfolgte die Verzeichnung der Medien- und Objektgattungen in der SBM (STIFTUNG Berliner Mauer) mit dem Daphne-Museums-System, deren Datenstruktur dann per Mapping nach Scope übernommen wird. Auf diese Weise wird die angestrebte doppelte Bereithaltung und Sicherung der Bestandsmetadaten und Digitalisate gewährleistet. Doch ergab sich daraus eine weitere Problematik, da die Systeme Scope und Daphne die Erstellung eines eigenen Datenmappings für die Medien erforderten.
Erste Projektphase
Damit begann die erste Projekthauptphase, die überwiegend von den drei Projektpartnern mit Eigenmitteln abgedeckt wurde. Dazu gehörte die Suche und Auswahl eines geeigneten Dienstleisters für die Digitalisierung. Dafür wurden die Mengen, Arten und Formate des Bestandes und die Ergebnisformen der Digitalisierung festgelegt. Hier bot sich nach einer Vorauswahl und einem Fachgespräch mit anschließender Test-Digitalisierung die Firma medienrettung an, die auch mit anderen institutionellen Kunden aus dem Kulturbereich als Referenzen überzeugte.
Anschließend erfolgte die Suche nach geeigneten Personalkräften, jeweils für den Bereich Schriftgut und Medien/Objekte. Um eine aufwändige und zeitintensive Anlernphase in die jeweiligen Datenbanken zu vermeiden, wurden hierfür Personalkräfte ausgesucht, die schon mit den Systemen in der Erschließung gearbeitet hatten. Schließlich erfolgte die Einrichtung von Arbeitsplätzen, für die Arbeit und Erschließung der umfangreichen Medien-Digitalisate eine Serverinstallation und Leitungserweiterung in der Versöhnungsgemeinde und Gedenkstätte Berliner Mauer sowie die Anschaffung von Laptop und Arbeits-Festplatten. Aufgrund der verschiedenen Verhandlungen, Angebote und Absprachen mit externen Dienstleistern zog sich diese Phase deutlich länger als erwartet, bis in das dritte Quartal 2017. Zudem konnte die Fachkraft für die Medien aufgrund anderer Verpflichtungen erst zum vierten Quartal beginnen.
Zweite Projektphase
Mit der zweiten Projekthauptphase begann die Arbeit der zusätzlichen Personalkräfte für die inhaltliche und formale Erschließung. Für das umfangreiche Schriftgut konnte nach dem Transport in das ELAB unmittelbar mit der Erschließung begonnen werden. Die Erfassung des Schriftgutes ging einher mit einem Abgleich, einer Bewertung und teilweisen Nachkassation eines bereits 2006 zuvor erschlossenen Schriftgutbestandes und führte zu einer Zusammenführung aller Unterlagen zu einem Bestand. Die Arbeiten wurden nach den Richtlinien für das Registratur- und Aktenwesen, der Kassationsordnung und dem Archivgesetz der Ev. Kirche Berlin Brandenburg schlesische Oberlausitz fachgerecht durchgeführt.
Für den Medienbestand war der Erschließungsvorgang deutlich weniger absehbar und aufgrund der technischen Rahmenbedingungen komplex und aufwändig. Die Medienerschließung musste daher in die folgenden vier Phasen eingeteilt werden:
1. Sichtung, Vorsortierung, Inventarnummernvergabe und Beschriftung der Ausgangs-Medien. Aufgrund der Masse und der Formatvielfalt bei den Medien musste eine Vorsortierung und Signaturvergabe nach ELAB-Regeln erfolgen, obwohl die Inhalte auf den alten Formaten vor der Digitalisierung nicht überprüft werden konnten. Die vergebenen Signaturen mussten auf den Originalen angebracht werden und dienten dann auch zur Benennung und Identifizierung der Digitalisate. Problematisch dabei war, dass nur physische Bandeinheiten mit einer Signatur versehen werden konnten, sich auf diesen jedoch mehrere, ganz formal und inhaltlich unterschiedliche Objekte befinden konnten, also z.B. auf einer Beta-Kassette eigene Videoaufnahmen, Mitschnitte aus dem Rundfunk und Überspielungen von Schmalfilmen. Diese Heterogenität innerhalb einer Signatur erlaubte keine differenzierte Erschließung, da hier Materialien aus verschiedenen Jahrzehnten mit diversen Rechteformen, Inhalten und Urhebern versammelt sein konnten, denen mit nur einem Objektdatensatz keine aussagekräftige Datierung, Verortung und Verschlagwortung zuzueignen war. Daher wurde entschieden, dass eine spätere inhaltlich sinnvolle Erschließung die Teilung der Signaturen in Einzeldateien und getrennte inhaltlich-formale Titelaufnahme erforderte, womit sich aber Zeitaufwand und Menge der zu erschließenden Einzelbestände eklatant erhöhen musste. Dieser Mehraufwand war der einzige Weg, eine gezielte Recherche zu ermöglichen und die Auffindbarkeit von Themen und Ereignissen zu gewährleisten.
Sämtliche analogen Medienobjekte wurden dementsprechend nach Gattungsart sortiert, beschriftet und zur Digitalisierung vorbereitet. Zudem wurden von den Projekt-verantwortlichen die Standards für die Digitalisierung und die Vergabe der Metadaten festgelegt. Dabei erwies es sich beim Filmformat problematisch, national oder international verbindliche Standards oder auch nur Empfehlungen zu erlangen. Nach diversen Anfragen und Recherchen wurde entschieden, beim Filmformat der Empfehlung des deutschen Fachnetzwerkes Nestor und der österreichischer Mediathek zu folgen (Archivmaster FFV-1, Metadatencontainer AVI).
2. Digitalisierung, Metadatenvergabe und Kontrolle
Die Medien wurden dem Dienstleister entsprechend des Verlaufsplans zur Verfügung gestellt. Die Digitalisierung erfolgte komplett durch den Dienstleister, der auch einen Teil der Metadatenvergabe im technischen Bereich vornahm. Dazu gehörten das Ausgangsformat der Originalbestände, Formatangaben der Digitalformate (inkl. der in diesen enthaltenen CODECs) sowie die Maschinenangabe. Diese Angaben sind für eine Langzeitverfügbarkeit der erstellten Digitalisate sehr wichtig, um das Auslesen der Daten zu gewährleisten. Die Digitalisate wurden als unkomprimierte Master und als komprimierte Derivate erstellt,
um a) die Sichtung und Dublettenkontrolle zu beschleunigen, b) die inhaltliche Erschließung unabhängig von zentralen Master-Speicher zu ermöglichen, c) die Derivate direkt in die Datenbank einspielen zu können ohne weitere Konvertierungen durchführen zu müssen.
Bei der Digitalisierung durch den Dienstleister stellte sich heraus, dass dessen Kapazitäten für bestimmte Formate nicht für den angestrebten Zeitplan ausreichten. Zudem erwies sich die technische und administrative Feinabstimmung als teilweise sehr schwierig und zeitintensiv. Daher musste hier der Zeitplan entsprechend gestreckt werden. Problematischer aber waren die Ergebnisse der Digitalisierung, da die Zielformate (inkl. der CODECs) teilweise von den vereinbarten Formaten abwichen. Diese wurden entsprechend reklamiert und die betroffenen Gattungen der Originalbestände zu einer kompletten Neudigitalisierung an den Dienstleister zurückgegeben. Damit verbunden war die Einfügung eines neuen, zeitaufwändigen Prozesses, nämlich einer durchgängigen Kontrolle der erhaltenen Digitalisate inklusive Klärung der Reklamation und Übermittlung der Fehler. Durch diesen zusätzlichen Zeitbedarf und Kontrollaufwand, begleitet durch schwierige Kommunikation mit dem Dienstleister, war der Zeitplan ein zweites Mal stark beeinflusst.
In der Diskussion stand auch der Abbruch des Digitalisierungsauftrags an den Dienstleister. Da jedoch alle Bestände bereits bei diesem vorlagen und er nach und nach, wenn auch teils mit mehrfacher Kontrolle und Reklamation, die vereinbarten Formate und Metadaten lieferte, wurde der Digitalisierungsvorgang zwar abgeschlossen, jedoch mit extremer Zeitverzögerung. Eine nochmalige Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister wurde von allen Projektpartnern einstimmig abgelehnt.
Die Digitalisierung des Bestandes im Überblick:
| Foto: | ||
| Dias im Kleinbildformat (24 x 36) | 4295 | |
| Dias im Mittelformat (6 x 6) | 154 | |
|
Gasdias (88 x 114) |
3 | |
| Passepartout (92 x 114) | 2 | |
| Negative im Kleinbildformat | 1628 | |
| Negative im Mittelformat | 88 | |
| Fotoalben | 6/167 Albumseiten | |
| Abzüge | 717 | |
| Audio/Video: | ||
| VHS-Kassetten | 80 | |
| Diverse Videobänder (u.a. DVCam, BetaCam) | 124 | |
| Schmalfilm (ca. Minuten) | 315 | |
| Kompaktkassetten | 179 (A + B Seite) | |
| Magnettonbaänder (ca. Minutem) | 3145 |
3. Kassation, Dublettenkontrolle, Sortierung
Die unterschiedlichen Medienbestände konnten nach der Digitalisierung erstmals komplett inhaltlich gesichtet und verglichen werden. Dabei wurden Dubletten markiert und entsprechend kassiert. In Hinblick auf den deutlich nach hinten verschobenen Zeitplan mussten nun neue Zeitrahmen für die inhaltliche Erschließung und Eingabe in die Datenbank erstellt werden. Zudem wurde deutlich, dass durch den zeitlichen Mehraufwand im Rahmen der Kontrolle und Abnahme der Digitalisate der geplante Umfang der Erschließung nicht mehr zu leisten war. Daher wurde als Priorität gesetzt, das komplette Material zu sichten, als Arbeitspakete in thematische Gruppen zu sortieren und dafür Prioritäten zu setzen, um die inhaltliche Erschließung vorzubereiten. Zudem wurden bestimmte Bestandsgattungen und thematische Schwerpunkte festgelegt, um alle noch anfallenden Aspekte des finalen Arbeitsprozesses der Erschließung aktiv testen und durchführen zu können.
Hierbei wurde auch das Mapping zwischen den Datenbanken der Kooperationspartner erörtert, woraus eine Synopse der Felder und Feldbezeichnungen für die Datenbanken Daphne und Scope erstellt werden konnte, die auch für den zukünftigen Datenaustausch jenseits des Projekts genutzt werden kann. Da beide Datenbanken die Recherche im gesamten Bestand ermöglichen sollen, wurde der Datenaustausch an konkreten Beispielen getestet und anschließend der Workflow festgelegt.
Bei der Sortierung wurden aus den Digitalisaten fünf Themenschwerpunkte gebildet, denen verschiedene Prioritäten und Erschließungstiefen zugeordnet wurden:
| Bestands-Themenschwerpunkt | Schriftgut | AV-Medien |
| Sektorenteilung 1945 bis 1961 | Flach | Medium |
| Teilung, Mauwe, Alltag 1961 bis 1990 | Tief | Tief |
| Stadtteilsanierung und Gemeindeentwicklung ab 1955 | Flach | Flach |
| Gemeindearbeit und Gemeindeprojekte | Flach | Flach |
| Diskussion um die Entwicklung der Mauer-Gedenkstätte 1990 bis 2014 | Medium-Tief | Medium-Tief |
| Bau der Kapelle der Versöhnung 1994 bis 2000 | Medium-Tief | Medium-Tief |
| Gedenkkultur: Gedenktage 13. August, 9. November | Flach | Flach |
Die gelieferten Digitalisate wurden in Zusammenarbeit mit dem seit 38 Jahren in der Versöhnungsgemeinde tätigen Gemeindemitarbeiter Rainer Just in diese Schwer-punktthemen aufgeteilt, um die nachfolgende inhaltlich-formale Erschließung sinnvoll gliedern zu können und einen Überblick über den verbleibenden zeitlichen Aufwand zu haben. Zudem war es wichtig, diesen Schritt innerhalb des Projekts noch mit Herrn Just vor dessen zum November 2018 erfolgten Eintritt in den Ruhestand abzustimmen, damit ggf. eine spätere Bearbeitung der Bestände noch jederzeit möglich wäre.
4. Erschließung, Datenaustausch, Datensicherung
Für die verschiedenen thematischen Schwerpunkte begann danach die formale und inhaltliche Erschließung, wobei mit den Bereichen begonnen wurde, bei denen eine Tiefenerschließung vorgesehen war. Zum einen handelt es sich hier um die für die Projektziele und Zielgruppen relevantesten und wichtigsten Bestände. Zum anderen sollte auf diese Weise gesichert werden, dass alle Arbeitsprozesse und Probleme der inhaltlichen Erfassung und anschließenden Datenmigration in die andere Datenbank entwickelt, geprüft und gelöst werden konnten. Da absehbar war, dass nicht alle Bestände bis Ende der ursprünglichen Projektlaufzeit erfasst werden konnten, sollten daher alle Kompetenz- und Technikfragen zumindest innerhalb des Projektrahmens absolviert sein.
Zum derzeitigen Stand sind bei den Film- und Video-Aufnahmen etwa zwei Drittel der Bestände bereits komplett geschnitten, mit technischen Metadaten versehen und inhaltlich in der Datenbank erschlossen. Bei den AV-Medien stehen noch die Audioaufnahmen zur Erfassung in der Datenbank aus, nachdem die Sichtung, Dublettenkontrolle und Sortierung in Themenschwerpunkte erfolgt ist. Bei den Fotografien ist noch ein größerer zeitlicher Rückstand. Allerdings ist hier nur die Masse der noch inhaltlich zu erschließenden Materialien zu beachten. Die Erschließungsfragen und –Problematiken wurden gelöst und können nach der Vorarbeit, Sortierung auch an weitere Personalkräfte weitergegeben werden, worauf die abschließende Erschließung aufbaut (s.u.). Damit ist von den gesamten Projektphasen die letzte Phase noch nicht abgeschlossen. Hier hat sich durch die Verzögerungen im Verlauf des Projekts noch ein größeres zu bearbeitendes Arbeitspaket der inhaltlichen Erschließung ergeben. Dies ist jedoch mit einem überschaubaren Aufwand an Personalressourcen und einem Mehrbedarf an Zeit zu erledigen, da alle konzeptionellen, technischen und inhaltlichen Fragen der Erschließung im Projektverlauf geklärt werden konnten.
Für die im Projektverlauf erstellten Digitalisate ist bereits eine digitale Langzeitverfügbarkeit der Daten gemäß des „Open Archival Information System“ (OAIS) vereinbart. Eine entsprechende vertragliche Vereinbarung wurde im November 2018 zwischen der Stiftung Berliner Mauer und dem Zuse-Institut Berlin unterzeichnet. Damit werden sowohl die langfristige Speicherung des Datenstroms auf einer feuerfesten Serverfarm als auch die Langzeitverfügbarkeit der technischen, deskriptiven und administrativen Metadaten gewährleistet.
Die Übernahmebedingungen durch das Zuse-Institut sind in Kooperation mit dem Kompetenz- und Forschungszentrum Digitalisierung festgelegt worden und entsprechen den Richtlinien der „Information und Dokumentation – Leitfaden zur Informationsübernahme in digitale Langzeitarchive“ (DIN 31645:2011-11).
Aktueller Stand (Ende 2018) Aufgrund der zeitlichen Verzögerungen, der schwierigen Zusammenarbeit mit dem Dienstleister im Bereich der Digitalisierung und des erhöhten Mehraufwands durch die erforderlichen Schnittprozeduren der digitalisierten Video- und Filmbestände konnte die letzte Projektphase noch nicht abgeschlossen werden. Mit den für die inhaltlich-formale Erschließung verantwortlichen Personalkräften konnte aber ein Zeitplan für die Erledigung der noch ausstehenden Arbeiten erstellt werden, um alle anvisierten Projektziele erreichen zu können. Dafür wurde das erste Quartal 2019 als finaler Arbeitszeitraum anvisiert. Zudem sollen dafür die Personalressourcen aus dem Bereich der Sammlungen der Stiftung Berliner Mauer eingesetzt werden, um flankierende administrative und erschließende Dokumentationstätigkeiten zu ermöglichen. Daher wurde beantragt, die Projektlaufzeit bis zum 31. März 2019 zu verlängern.
Für die noch erforderlichen zusätzlichen Personalressourcen sind etwa 350 Stunden anzusetzen. Davon werden 100 Stunden aus Personalressourcen der Stiftung Berliner Mauer abgedeckt. Zudem können aus dem Sammlungsbudget der SBM 1.250,00 Euro für die verbliebenen Tätigkeiten bereitgestellt werden, ebenso wie 2.000,00 Euro aus den verbliebenen Projektmitteln, die bereits abgerufen worden sind. Damit verbleibt ein Rest von 4.797,50 Euro, für die ein Mehrbedarf zum erfolgreichen Abschluss des Projekts beantragt wird.
Für einen erfolgreichen Projektabschluss stellen die Projektpartner weiterhin zusätzliche Eigenmittel zur Verfügung. Die Versöhnungsgemeinde wird den Arbeitsplatz und den Speicherserver bis Ende März bereitstellen. Zudem wird Herr Just ehrenamtlich für die inhaltliche Betreuung und Beratung der inhaltlichen Erschließung zur Verfügung stehen, Herr Jeutner die Projektsteuerung weiterführen. Die SBM wird weitere finanzielle Eigenmittel und eigene Personal- und Arbeitsplatzressourcen einbringen sowie die technische Ausstattung als Eigenleistung weiterhin zur Verfügung stellen. Das ELAB wird die technisch-administrative Projektsteuerung und den Datenaustausch mit eigenen Personalressourcen aus Eigenmitteln bereitstellen.
Damit wird ein erfolgreicher Projektabschluss zum März 2019 gewährleistet sowie eine Abschlusspräsentation des Projekts vorbereitet.
Die Projektpartner baten daher um Bewilligung einer Verlängerung des Projektzeitraums bis zum 31. März 2019 sowie um die Bewilligung einer Fehlbedarfsförderung für die Abdeckung des Finanzmehrbedarfs in Höhe von 4.797,50 Euro.
Diesem Antrag stimmt die Stiftung Aufarbeitung am 6. Februar 2019 zu.
Präsentation des Projekts 4. September 2019, 19.00 Uhr
Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119, 13355 Berlin
Programm:
Begrüßung: Prof. Dr. Axel Klausmeier (Stiftung Berliner Mauer)
Grußwort und Einleitung
zum Projekt: Dr. Wolfgang Krogel (Evangelisches Landeskirchenarchiv EKBO)
Grußwort: Herr Hopfenmüller (Stiftung Aufarbeitung)
Moderation: Pfarrer Thomas Jeutner (Versöhungsgemeinde)
Präsentation von originalen Objekten und historischen Fotografien,Vorführung von Film- und Videomaterial zwischen den in Gesprächsrunden.
Die Versöhnungsgemeinde mit der im Grenzstreifen 1985 gesprengten Versöhnungskirchen ist wie keine andere durch die deutsche Teilung und die Berliner Mauer geprägt worden. Ihre Geschichte ist auch untrennbar mit der Überwindung der geteilten Stadt und dem Ringen um eine würdige Erinnerung verbunden.
Seit den 1970er Jahren hat die Gemeinde ein Archiv mit Fotos, Filmen, Medien und Dokumenten aufgebaut, das in einzigartiger Weise die Geschichte der Gemeinde und der Bernauer Straße vom Kriegsende 1945 bis zur Eröffnung der heutigen Gedenkstätte Berliner Mauer dokumentiert. In einem gemeinsamen Projekt, gefördert von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, sind diese Originalmaterialien nun digitalisiert und erschlossen worden.
In der Veranstaltung werden besondere Objekte des Archivs und historische Foto- und Filmaufnahmen aus 70 Jahren Stadtgeschichte erstmals präsentiert.
Foto SBM-003629
Von links nach rechts
Magda Lammert, Rainer Just, Jens Reiher, Dr. Rainer Kramer, Pfr. Thomas Jeutner / (Tuba Arikan)nicht dabei
Prof. Dr. Axel Klausmeier rechts
Filmcutterin Gemeinde ELAB ELAB Gemeinde Archiv /Bild Spezialistin
Direktor Stiftung Berliner Mauer
Foto SBM-003628 Dr. Wolfgang Krogel / ELAB
SBM-003634
rechts Dr. Manfred Wichmann
Archivar Stiftung Berliner Mauer
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